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17.03.2005: (Underberg (Südafrika)) "Reisetagebuch - 17.03.2005"    [geschrieben von AlexSapp]

Irgendwie scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Busse, die im Laufe des Vormittags, so zwischen 9 und 11 ankommen sollen, immer Verspaetung haben, waehrend solche Busse, die ohnehin sehr frueh ihr Ziel erreichen sollen, dann meist noch viel schneller sind als geplant. Daran aenderte sich auch heute nichts. Nicht um 5 Uhr, sondern um 3.20 Uhr meldete sich eine Stimme, die verkuendete, dass wir nun in Pietermaritzburg seien und dass alle die hier aussteigen ihr gesamtes Gepaeck mitnehmen sollten.

Um eine Ankunft um diese Zeit zu vermeiden, hatte ich extra den 20 Uhr und nicht den etwas preiswerteren 18.30 Bus gewaehlt. Doch nun war ich dort und da ein Backpackerhostel nur 200 Meter die Strasse hinunter zu finden war, entschied ich mich, doch noch das Geld dafuer auszugeben. Als aber auch nach dreimaligem Anklingeln niemand oeffnete, ging ich in die Gegenrichtung, wo ich die Lichter einer Tankstelle sah.



Um 3.45 Uhr trank ich einen Kaffee, um 4.30 Uhr kaufte ich mir ein Sandwich und um 5.15 Uhr eine Flasche Zitroneneistee. Nachdem ich das morgendliche Treiben in einer suedafrikanischen Tankstelle mit Taxifahrern, Sicherheitsdienstfahrern und vielen Tageloehnern, die ab 4.30 Uhr an der Strassenecke auf Arbeit warteten, mehr als lange genug beobachtet hatte, war es um kurz vor 6 endlich hell genug, um zum zentralen Churchill Square zu gehen (Sir Winston war um 1900 in diesem Gebiet als Kriegsberichterstatter taetig). Um 6.30 oeffnete dort der kleine Minibusbahnhof, doch gibt es dort keine Gepaeckaufbewahrung. So ging ich die gut 1,5 Kilometer die Hauptstrasse, die auch hier Church Street heisst, hinauf bis zum Bahnhof, an dem im Jahre 1893 der junge Anwalt Mohandas Gandhi aus dem Zug geworfen wurde, weil sich ein weisser Fahrgast beschwert hatte, dass sojemand in der ersten Klasse reist.



Dies Ereignis wird allgemein als die Geburtsstunde des Satjagraha, des gewaltlosen Wiederstandes betrachtet, mit dem Gandhi spaeter in Indien zum Nationalhelden und Mahatma wurde und das Land in die Unabhaengigkeit fuehrte.



Aber auch am Bahnhof, wo ich nochmal eine Stunde auf die Oeffnung der Bueros warten musste, gibt es keine Moeglichkeit Gepaeck aufzubewahren. Zudem gibt es nur sehr wenig Zuege, sodass ich von hier nach Durban oder Port Elizabeth einen Bus nehmen sollte. Wenn ich denn hierher zurueckkehre, was laengst nicht sicher ist, da mein Plan vorsieht, erstmal in die Drakensberge zu fahren und von dort, wenn moeglich, durch Lesotho nach Bloemfontein zu gelangen und dann mit dem Zug an die Kueste. Sollte das aber nicht funktionieren, muss ich ueber PMB zurueck und von hier nach Durban und weiter an der Kueste entlang fahren.



Um mein Gepeck doch noch irgendwo loszuwerden, ging ich in die Touristeninformation des Ortes, die inzwischen geoeffnet hatte. Ich bekam hier nicht nur einen Stadtplan, Unterlagen fuer einen selbstgefuehrten Stadtrundgang und Informationen ueber Moeglichkeiten zur Weiterreise, man konnte auch meinen Rucksack den Tag ueber dort aufbewahren. Auch in der City Hall, dem groessten Ziegelsteingebaeude der suedlichen Hemisphaere, wurde ich als Tourist sehr freundlich empfangen und bekam eine kleine Broschuere ueber das Gebaeude ausgehaendigt.



Die Stadt PMB besticht vor Allem durch architektonische Kontraste. So findet man viele Gebaeude aus viktorianischer Zeit, die neben modernen Hochhaeusern und einfachen Steingebaeuden stehen. Zudem hat die Stadt indische und Zulu-Einfluesse, die in den Strassen offensichtlich werden. Ich sah mir das Publicity House, eine alte presbyterianische Kirche und die Harwins Arcade an und ging auch in die St. Peters Church sowie in den Alexandra Park, wobei ich einen Croquet Club passierte, in dem Weisse ihren Sport trieben, bevor ich in den Park kam, wo schwarze Schulklassen Fussball spielten. Genau so haette es auch vor 1994 aussehen koennen.



Nach einer Mittagspause im Park, bei der ich mich mit einem Schueler und einem Lehrer ueber Suedafrika und Deutschland unterhielt, ging ich ins Voortrecker Museum, in dem man viel ueber die Geschichte der Afrikaaner erfaehrt und das unter anderem das Wohnhaus des Helden der Schlacht gegen die Zulu am Blood River, Andries Pretorius beherbergt, nach dem die Stadt Pretoria benannt wurde. Auch kann man die Kirche besichtigen, die nach dem Sieg ueber die Zulu als Geloebniskirche erbaut wurde.



Nachdem ich mir mit dem Old Natal Parliament auch noch die letzte wichtige Sehenswuerdigkeit angesehen hatte, holte ich mein Gepaeck ab und ging zum Abfahrtsort der Minibustaxis nach Underberg, einem kleinen Ort in den Bergen, in dem man auf dem Weg zum Sani Pass umsteigen muss. Ich kam jedoch zu spaet dort an, um noch weiterfahren zu koennen. So suchte ich mir im Ort ein Hotel, in dem ich ein sehr teures Zimmer bekam, doch die Auswahl ist hier nicht gross.



Der Weg nach Underberg war aber schon grossartig. Ueber die einzige groessere Strasse in dieser Gegend fuhren wir durch gruene Huegel und vorbei an steilen Klippen, was ich nur wenig geniessen konnte, da mir nach dem langen Tag immer wieder die Augen zufielen. Deshalb ging ich nach einem entspannenden Bad, es gab keine Dusche, und dem Essen, Calamares mit Salat, direkt ins Bett.



Einen Erfolg gibt es aus dem Bereich Reduzierung des Gepaecks zu vermeiden. Nachdem ich mir in Johannesburg ja den Lonely Planet Afrika on a shoestring gekauft habe, habe ich den 2000er Lonely Planet South America on a shoestring im Regal des Fernsehraumes des Backpackers Ritz of Johannesburg abgestellt und heute morgen beim Aussteigen aus dem Bus habe ich meine Jacke liegenlassen, mit Feuerzeug und Chinese Wild Tiger Balm in der Tasche. Sollte es auf dem weiteren Weg also nochmal kalt werden, ist mein Frieren wohl die gerechte Strafe fuer meine Vergessichkeit.




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