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22.06.2004: (Tbilissi (Tiflis) (Georgien)) "Reisetagebuch - 22.06.2004"    [geschrieben von AlexSapp]

Um 11 Uhr fuhr nicht das Schiff ab, sondern zu dieser Zeit, bzw. ca. 25 Minuten spaeter, oeffnet der Ticket Schalter. Das Schiff sollte dann um 13.00 Uhr abfahren, was sich schwierig machen liess, da es erst gegen 15.00 Uhr in Poti ankam. Das genaue Wiegen des Gepaecks, die Passkontrollen und das Einsteigen dauerten ebenfalls noch eine Stunde, so dass ich von kurz nach 10 Uhr morgens bis kurz nach 16 Uhr voellig sinnlos an der Anlegestelle nach Sochi wartete, obwohl ich noch gerne den Teil Potis gesehen haette, der sich noerdlich des Hafens erstreckt.

Zudem musste ich doch meine eiserne Dollar Reserve anbrechen, da, wie mir ein eigens angerufener englischsprachiger Mitarbeiter erklaren konnte, die Dienstagsfaehre eine Powerfaehre ist, die die Strecke in der halben Zeit schafft und daher noch 10 USD teurer ist. Auf die freitaegliche Uebernachtfaehre wollte ich dann auch nicht warten.



Die Faehre war zwar schnell, jedoch wie alle oeffentlichen Verkehrsmittel in Georgien technisch nicht ganz auf neuestem Stand. Ich bin aber in Sochi angekommen und weil Russland sich anders als Georgien sehr wohl an der europaeischen Sommerzeit beteiligt, jetzt nur noch 2 Stunden vor deutscher Zeit.



Es begann schon die Daemmerung, als ich ankam, und daher kann ich bis jetzt ueber Sochi nur sagen, dass es das russische Pendant zu Rimini oder Ibiza Stadt sein muss. Vom einem Geldautomaten am Pier empfangen wirkt alles sehr edel, in der Naehe des Hafens befinden sich einige sehr schoene, huebsch beleuchtete Restaurantterrassen, sehr sauber, bunte Beleuchtungen und Leuchtreklamen wohin man sieht und dazwischen laufen auffallend viele junge, braungebrannte und sehr sommerlich bekleidete Damen herum, die fast alle was von Anna Kournikova haben. Ausserdem schallt aus allen Richtungen laute Popmusik ueber die Strassen.



Mir war sehr schnell klar, dass es an diesem spaeten Abend ohne Reisefuehrer schwer sein wuerde, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, zumal wir Ende Juni und damit Hochsaison haben. Die Hotels die ich fand, waren alle mehrere Klassen besser als mein Reisebudget erlaubt. Ich fragte schliesslich in einer Drogerie (hier arbeiten Einheimische) nach einem preiswerten Hotel. Nach einigen Telefonaten mit einer deutschsprachigen Bekannten einer Verkaeuferin hatte sich eine private Wohnung gefunden, die allerdings fast 20 EUR pro Nacht kostet. Da es schon auf halb 11 zuging, akzeptierte ich und liess mich von einem inzwischen hinzugestossenen Taxifahrer, der selbst auch fleissig mittelefonierte, zu der Wohnung fahren, die nun fuer 2 Naechte mein zu Hause sein soll. Ich kochte mir zum Fussball noch einen Tee und verfolgte dann das skandinavische Duell.



Da sich der Ausreisestempel Georgiens nun in meinem Pass befindet, ist es an der Zeit, ein kleines Fazit von diesem Land zu ziehen.



Wer Georgien als gefaehrlich einstuft, ist entweder lange nicht dort gewesen oder hat sich in den unabhaengigen Teilrepubliken Abchasien oder Suedossetien aufgehalten. Obwohl ich allein reise, viel mit Nachtzuegen unterwegs war und auch in einer privaten Unterkunft und Billighotels gewohnt habe, fuehlte ich mich als Auslaender nie unsicher, mir ist Nichts abhanden gekommen, geschweige denn, dass ich in irgendeiner Weise in brenzlige Situationen gekommn waere.



Georgien ist ein Land, dass nicht zu Unrecht in Sowjetzeiten das gefragteste Urlaubsziel war. Sowohl landschaftlich mit der Schwarzmeerkueste und den Kaukasusgebirgen, als auch kulturell mit vielen gut erhaltenen Kirchen und Festungsanlagen aus allen Zeiten der roemischen, persischen, osmanischen und sowjetischen Geschichte hat Georgien viel zu bieten.



Zudem ist die Hauptstadt Tbilissi eine attraktive, internationale Grossstadt. Die vielen Hotelruinen, mit Fluechtlingen besetzten Hotels sowie die Parks mit stehenden Riesenraedern, ausser Betrieb genommene Seilbahnen und im Wiederaufbau befindliche Strandpromenaden lassen erahnen, welche touristische Infrastruktur hier einmal zu finden war und wohl in einigen Jahren auch wieder zu finden sein wird.



Ohne einen sehr guten Reisefuehrer, der aus dem Trescher Verlag ist kein solcher, ist es ohne georgische oder russische Sprachkenntnisse aber noch sehr kompliziert, hier einen selbst organisierten Urlaub zu machen, da auch die Beschilderungen fuer den durchschnittlichen Nordeuropaeer Hieroglyphen aehneln; doch gibt es einige Reiseveranstalter, die individuelle Urlaube organisieren. In einigen Jahren ist Georgien dann auch fuer den Massentourismus wieder interessant, wenn auch nicht fuer den deutschen, da es keine langen mit Liegen in Reih und Glied gefuellten Sandstraende mit Sonnenscheingarantie und Hotelanlagen gibt, die mundgerechte Touren und deutsches Bier zu taeglich drei europaeischen Mahlzeiten servieren. Aber vielleicht aendert sich bis dahin ja auch der Anspruch des deutschen Paschaltouristen noch ein wenig.



Die Menschen in Georgien sind, vor allem im Vergleich zu den Tuerken, eher verschlossen. Hilfsbbereitschaft findet man auch in Georgien ueberall, jedoch passiert es nicht, dass man als suchender Tourist mit Rucksack und Reisefuehrer in der Hand von mehreren Seiten Hilfe angeboten bekommt. Spricht man aber jemanden an, ist trotz Verstaendigungsproblemen fast immer die Bereitschaft da, sich die Fragen oder Probleme anzuhoeren und, ggf. auch mit Hilfe irgendwelcher englischsprachiger Bekannter, eine Loesung zu finden.



Diese Mentalitaet hat natuerlich auch sein Gutes. Auch in Georgien gibt es basaraehnliche Maerkte, es wird jedoch hier nicht sofort versucht, einem Teppiche, Lederwaren oder was auch immer aufzuschwatzen, nur weil man zufaellig einen kurzen Blick auf einen Stand geworfen hat.



Ausserdem sind Chinkali, Hachapuri und echter Schaschlick sowie das georgische Brot unbedingt zu empfehlende Delikatessen. Und auch die deutlich internationalere Musik gefiel mir besser als das tuerkische Gedudel. Kaffee und Bier sind zudem, gerade fuer mich als Deutschen nicht unwichtig, die beliebtesten Getraenke des Landes.



Zudem ist Georgien aeusserst preiswert. Obwohl ich mangels Alternativen meist in recht guten und somit verhaeltnismaessig teuren Hotels gewohnt habe, bin ich, dank laecherlich niedriger Preise fuer Weiterreise und Verpflegung im Schnitt mit taeglich um 17 EUR ausgekommen, was die teure Ueberfahrt nach Sochi bereits einschliesst.


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