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01.05.2005: (Mbeya (Tanzania)) "Reisetagebuch - 01.05.2005"    [geschrieben von AlexSapp]

Auf meinem Communicator, meinem letzten verbliebenen, die Uhrzeit anzeigenden Instrument, blinkte 04:40 als der Wecker ging, da ich suedafrikanische bzw. zambische bzw. deutsche Zeit eingestellt habe. Als um 15 Minuten nach 6 Uhr morgens Peter an meiner Zimmertuer klopfte, war es noch dunkel. Bevor der oeffentliche Bus hinunter zum Busbahnhof fuhr, hielt er vor meinem Gasthaus an und wartete dort, bis ich fertig war.

An einem Markt ausserhalb der Stadt hielten wir laengere Zeit an, was Peter nutzte, um uns einen Chai (Tee) und ein paar Chapatis zum Fruehstueck zu organisieren. Danach fuhren wir im gleichen Bus ca. 45 Minuten weiter, um an einer recht verlassenen Strassenkreuzung auszusteigen. Im Nebel hier oben in den Bergen konnte ich keinen Vulkankrater erkennen, doch das hiess nur, dass dieser tatsaechlich einen guten Fussmarsch entfernt ist.



Die Gegend erschien zunaechst wie der Lattenberg an einem nebligen Herbstmorgen. Es war auch nicht warm, dafuer sehr feucht. An einer kleinen, komplett leeren Huette an der Abzweigung musste ich die Eintrittsgebuehr von 2.000 Shilling fuer das Gebiet zahlen, nachdem aus dem Nichts ein junger Mann herbeigerannt kam und aus einer Tuete den Quittungsblock und den Stempel herausholte, um mir einen Beleg fuer die Gebuehr zu geben zu.



Die einzigen Menschen, die wir in den ersten 3 Stunden trafen, waren 2 Jungen, die in einem Feld an dem Schotterweg, dem wir die ersten Kilometer folgten, die Kartoffelaussaat vorbereiteten. Nach etwas ueber einer halben Stunde bogen wir von dem Weg ab auf einen schmalen Pfad, dessen nasse Graeser mit der Zeit fuer nasse Fuesse bei mir sorgten. Hier wurde die Umgebung immer tropischer, bis wir schliesslich in echtem Regenwald waren, mit meterhohen wilden Bananenstraeuchern deren Blaetter eine Flaeche von mehr als einem Quadratmeter hatten.



Obwohl es den ganzen Tag nicht regnete, kam die Naesse auch von Oben, da die extrem feuchte und neblige Luft sich auf den Baeumen und Straeuchern als Tau niederliess und von Zeit zu Zeit heruntertropfte.



Bis wir am Fusse des Vulkans angekommen waren, war es ein interessanter Spaziergang. Doch dann mussten wir den Vulkankrater hinaufsteigen, was relativ anstrengend war, zumal man auf dem sehr nassen und schlammigen Untergrund immer wieder wegrutschte.



Eine gute Stunde gingen wir, mit zwei kleinen Gegengefaellen, bergauf und erreichten dann mit einer Mischung aus Schweiss und Tau auf der Stirn den Aussichtspunkt am Krater. Was ich sah, erschrak mich mehr, als das es mich beeindruckte. Eine groessere Gruppe muss wenige Tage zuvor hier gewesen sein und nach 1 1/2 Stunden ohne irgend welche Anzeichen von Zivilisation empfing uns der Aussichtspunkt mit so viel Muell, dass Peter und ich erstmal aufraeumten und dann den gesamten Muell verbrannten. So geht die Abfallbeseitigung in diesem Teil Afrikas nunmal vonstatten.



Vom Kratersee konnte ich leider ueberhaupt nichts sehen, da der Nebel hier noch dichter war, als unten. Nach der Feuerpause entschieden wir daher, den Abstieg zum Ufer zu wagen, obwohl das bei so nassen Bedingungen ein schwieriges Unterfangen sei. Und das war es tatsaechlich. Zum Glueck gab es in dem Wald viele Wurzeln, an denen man sich beim hinunterklettern festhalten konnte, doch trotzdem blieb es sehr abenteuerlich. Die kurze Strecke kostete uns 45 Minuten, bis wir am Ufer eines scheinbar nicht ganz kleinen Sees standen.



Ziemlich genau so stelle ich mir den Loch Ness in Schottland vor und es wunderte mich kaum, als Peter erzaehlte, dass auch ueber diesen See in den umliegenden Doerfern Monstergeschichten erzaehlt werden. Die einzigen Monster die wir zu Gesicht bekamen, waren jedoch 2 Enten, die ganz friedlich im Wasser herumschwammen.



Der Wiederaufstieg zum Aussichtspunkt ging etwas schneller als der Abstieg, war aber dafuer deutlich anstrengender. Obwohl Peter ein sehr hohes Tempo vorlegte, liess ich mich nicht abschuetteln und so wurden die Pausen, die er brauchte, um Wurzeln zu finden, an denen er weiter klettern kann, immer laenger. Oben hatten wir uns eine laengere Pause redlich verdient, die bei besserer Sicht wahrscheinlich noch erholsamer gewesen waere.



Der Rueckweg war noch glitschiger als der Hinweg und da es bergab ging, kamen wir nur langsam voran. Immerhin schafften wir es aber beide, ohne Sturz am Fusse des Vulkans anzukommen. Durch die Kletterei und den matschigen Rueckweg sahen meine Klamotten jedoch aus, als kaeme iich gerade von einem Kinderspielplatz mit Wasserpumpe.



Zurueck in Mbeya gingen wir in ein kleines Restaurant der unteren Preisklasse, wo wir, begleitet von einem Bollywood Streifen, Reis mit Bohnen und Sauce assen. Danach war die Tour vorbei und ich ging ins Gasthaus, um mich umzuziehen und ein paar Minuten Schlaf zu tanken. Von den 16.000 Shilling blieben fuer Peter nach Abzug aller Kosten noch ca. 12.000 uebrig, womit er fuer die hiesigen Verhaeltnisse heute sehr gut verdient hat. Allerdings kostete ihn das auch den halben gestrigen Tag, weshalb ich mich ueber den Preis nicht beschweren kann.



Am spaeten Nachmittag ging ich noch durch den Ort, der nirgendwo so richtig aufhoert. Auch der Markt, an dem wir am Morgen gefruehstueckt hatten, gehoert noch zu Mbeya. So lief ich ein ganzes Stueck durch die Stadt und hatte danach einen ungefaehren Ueberblick, zumindest was den Ortskern angeht, den man aber auch nicht wirklich eingrenzen kann.



Nach nochmal Reis, diesmal mit einem gebratenen Fisch, ging ich frueh zu Bett, las aber noch einige Zeit im Lonely Planet, um meine weitere Reiseroute zu planen.

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