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28.02.2005: (Merida (Venezuela)) "Reisetagebuch - 28.02.2005"    [geschrieben von AlexSapp]

Ich sitze einmal mehr die zweite Nacht in Folge in einem Ueberlandbus, der mal wieder eine viel zu gute Klimaanlage hat, so dass mir bitterkalt ist, obwohl ich mir vor der Abfahrt extra eine lange Hose und einen langen Pullover angezogen und meine Jacke ins Handgepaeck gelegt hatte. Mein Reiseziel heisst Merida, eine 250.000 Einwohner zaehlende Stadt in den Bergen Venezuelas. Die Entscheidung, nicht an der Karibikkueste entlang in drei Kurzetappen, die ich jeweils am Tag zuruecklegen haette muessen, ueber ein paar schoene Straende mit karibischer Musik bis nach Caracas zu fahren, ist dabei erst heute morgen gefallen.

Hauptgrund dafuer ist die laengste und hoechste Seilbahn der Welt, die von Merida aus ueber 3188 Hoehenmeter auf den Pico Bolivar fuehrt, was ich mir nicht entgehen lassen will. Ich nehme dafuer auch anstatt 3 4-5stuendigen Etappen am Tag zwei weitere Naechte in Ueberlandbussen in Kauf, die hier in Venezuela wieder ein Stueck preiswerter sind, als in Kolumbien.



Der Bus, der urspruenglich heute morgen um 5 Uhr in Maicao ankommen sollte, bog erst 15 Minuten nach 8 Uhr auf den Busbahnhof ein. Da war es in Venezuela bereits 9.15 Uhr. Mit einem por Puesto, einem uralten Ford, der offiziell ueber 6 Sitzplaetze verfuegt, da er neben dem Fahrersitz eine 2 Personen Sitzbank hat und dessen Ruecksitzbank sich erwiesener Massen auch 4 Erwachsene teilen koennen, fuhr ich mit meinen 5 Begleitern plus Fahrer nach Maracaibo in Venezuela, was gut 3 Stunden dauert.



Die Grenzformalitaeten sind auch hier relativ unkompliziert, wobei zumindest jedes Gepaeckstueck geoeffnet und auch recht gruendlich durchsucht wurde. Nur muss man in Venezuela an 4-6 Kontrollpunkten zwischen der Grenze und Maracaibo seinen Pass vorzeigen, wobei ich den Sinn dieser Kontrollen nicht verstanden habe. Um kurz nach 12 jedenfalls waren wir in Maracaibo, wo ich ohne jegliches Bargeld ankam, da ich mit meinen restlichen 19.300 Pesos die 20.000 Pesos teure por Puesto Fahrt bezahlt hatte.



In Maracaibo lief aber dann Alles schief, so dass ich froh bin, aus der Oelhauptstadt des Landes, aus dessen See und der Umgebung des Sees immerhin 65% des venezuelanischen Oels stammen, hinaus zu sein und morgen frueh eine Stadt vorzufinden, die mir hoffentlich etwas freundlicher gesonnen ist. Als erstes brauchte ich Geld, was schon ein grosses Problem darstellte.



Die beiden Geldautomaten am Busbahnhof zeigten garnichts an und der dritte, einen kleinen Fussmarsch entfernt, informierte seine Kunden darueber, dass er kurzzeitig ausser Funktion sei. Die naechste Bank fand ich erst nach einer laengeren Suche und die Misserfolgsmeldung kam erst, als ich schon das Geld entgegen zu nehmen hoffte. Es war bereits 1 Uhr und ich hatte Hunger und Durst, als ich vier weitere nah beieinander liegende Banken fand. Leider hatten 2 davon keinen Automaten, derjenige der dritten Bank war ausser Funktion und die beiden Automaten der vierten konnten beide derzeit keine Bargeldtransaktionen durchfuehren.



Eine weitere Stunde Lauferei durch die Hitze der tropischen Sonne und 5 Geldautomaten spaeter, von denen mir einer immerhin sagte, dass eine Auszahlung von mehr als 150.000 Bolivares nicht moeglich sei und auch diese 150.000 derzeit nicht auszahlbar seien, fand ich an der Aussenseite eines Kaufhauses im Zentrum 4 Geldautomaten einer Bank nebeneinander. Meine Zunge schliff zu dieser Zeit bereits ueber den Boden. Die Schlangen an den Automaten waren aber ein sicheres Zeichen dafuer, dass sie zumindest ueberhaupt funktionierten, wobei nicht sicher zu erkennen ist, ob das auch heisst, dass sie Bargeld ausspucken. Am dritten dieser Automaten hatte ich aber schliesslich Glueck. Zwar bekam ich nur 150.000 Bolivares, so dass ich in 2-3 Tagen, wenn die umgerechnet 55 EUR ausgegeben sind, wieder auf die Suche gehen muss, doch konnte ich mir nun im Supermarkt des Einkaufszentrums einen Liter eiskalte Milch kaufen, der mir wieder etwas Leben einhauchte.



Da ich bei einer informativen Runde durch den Busbahnhof gesehen hatte, dass schon sehr viele Plaetze im 22.30 Uhr Bus nach Merida verkauft waren, ging ich erstmal den ganzen Weg zurueck und kaufte mir mein Ticket. Danach zog ich durch die gesamte Altstadt, um nach einer SD Karte und einem Lesegeraet Ausschau zu halten. Zudem wollte ich diesen Teil der Stadt ohnehin erkunden. Die Stadt ist naturgemaess nicht umwerfend schoen, so dass man mit dem Geld aus der Oelfoerderung einen einen ganzen Block breiten und nicht weniger als 7 Blocks langen Gruenstreifen westlich des zentralen Plaza Bolivar eingerichtet hat, der Downtown Maracaibo recht angenehm macht.



Interessantestes Gebaeude am Plaza ist wohl der Palacio de la Capitulacion, wo die Spanier die entgueltige Aufgabe ihrer Ansprueche im noerdlichen Suedamerika unterzeichneten und damit den Weg fuer ein Gran Colombia ebneten, von dem Simon Bolivar immer getraeumt hat, dass aber nicht viel laenger als 15 Jahre Bestand hatte, bevor es in die Staaten Kolumbien, Venezuela und Ecuador zerfiel, die schon zu Kolonialzeiten eigene Vizekoenigreiche waren.



Nach viel Fragerei zeigte sich, dass die groesste Wahrscheinlichkeit die gesuchten Dinge zu finden im Centro Commercial Sambil sei, wohin ich einen Bus nahm. Dieser brauchte eine gute Stunde, bevor er mich ausserhalb der Stadt an einem Busparkplatz in einem Slum absetzte von wo ich sofort mit dem naechsten Bus ueber eine leicht andere Strecke 5 oder 6 Minuten zurueckfuhr, bis dieser mich vor dem Eingang des groessten und modernsten Einkaufszentrums der reichsten und zweitgroessten Stadt des Landes absetzte.



Ich suchte jeden der 7 als Computer- oder Elektonikfachgeschaeft gekennzeichneten Shops auf und fand einzig im letzten, PalmAnia genannten Laden ein Kartenlesegeraet. Dies ist chic, kleiner als ein USB Stick und kann auch nur die kleinsten verfuegbaren Karten lesen, darunter aber eben SD Karten. Da es das Einzige war, was es gab, kaufte ich fuer 26 EUR das Lesegeraet und ging dann in den Shop, der die passenden flachen Karten verkauft. Ich probierte zwei Karten aus und bekam 2 Mal die Anzeige, "keine Speicherkarte vorhanden". Damit war auch der Kauf des Lesegeraetes eigentlich unnoetig geworden.



Da die Gepaeckaufbewahrung bereits um 21 Uhr schliesst und es nach der Rennerei durch die Mall und der vielen Probiererei inzwischen 20.25 Uhr war, musste ich ein 2,85 EUR teures Taxi fuer den Rueckweg nehmen, um nicht ohne mein Gepaeck nach Merida reisen zu muessen. Damit war sowohl zeitlich als auch finanziell das McDonalds Menu gestorben, auf welches ich mich freue, seitdem ich am Flughafen in Lima von Cecis Cheeseburger abbeissen durfte. Immerhin war genuegend Zeit, um noch gemuetlich im Busbahnhof zu Abend zu essen und mich unter zweifelhaften hygienischen Bedingungen auf der Toilette des Busbahnhofes etwas zu waschen und mich umzuziehen, bevor ich den modernen Volvo Reisebus besteigen konnte. Ich sitze uebrigens auf Sitzplatz Nr. 3, da ich die Nummer 1 mit einer jungen Frau tauschte, die gern neben ihrem Freund sitzen wollte.




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