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12.09.2004: (Bombay (Indien)) "Reisetagebuch - 12.09.2004"    [geschrieben von AlexSapp]

Mein letzter Tag in Indien. Ich rief heute morgen Jenny Hanghal an, eine in Bombay lebende Inderin, die ich ueber den hospitalityclub.org kennen gelernt habe. Als Mitglied kann man dort selbst fuer andere Mitglieder Uebernachtungsmoeglichkeiten oder auch nur Treffen anbieten und umgekehrt kann man zu jedem anderen Mitglied Kontakt aufnehmen, was eine schoene Sache ist, da der Club nahezu ueberall in der Welt Mitglieder hat, die sich gegenseitig unterstuetzen.

Da die Uebernachtungskosten in Indien allerdigs ueberall sehr gering sind, hatte ich nur gefragt, ob sie mir die Stadt etwas naeher bringen kann. Haette ihr Mobiltelefon funktioniert, haetten wir uns schon eher getroffen und sie hatte sogar schon einen Plan fuer das gesamte Wochenende aufgestellt, der einen Besuch eines ca. 3 Stunden von Bombay entfernten Ferienparadieses beinhaltete.



Ich traf mich mit Jenny und ihrer Mitbewohnerin Natascha im recht teuren Vorort Badra, da die beiden dort wohnen. Wir besichtigten dann eine Kirche, die im Mittelpunkt eines alljaehrlichen Festivals steht, das gerade heute begonnen hatte.

Schon ab einen Kilometer vor der Kirche war der Pilgerweg mit massiven Zaeunen abgesperrt, damit auch niemand den Weg durch die hunderten Kerzen- und Blumenstaende zur Linken und zur Rechten abkuerzen konnte. Zusammen mit einer nicht zaehlbaren Masse mit Kerzen, Blumen und anderen Gaben bewaffneter christlicher aber auch hinduistischer Pilger schoben wir uns in die Kirche, um beim Vorbeigehen am Altar unter der staendigen Aufforderung des Sicherheitspersonals "keep moving" unsere Kerzen in riesige Plastikkuebel zu legen, die staendig geleert wurden und jeweils nach wenigen Minuten wieder gefuellt waren.



Danach fuhren wir zum Juhu Beach, dem groessten Strand der ca. 17 Millionen Einwohner zaehlenden Stadt. Wie es sich fuer einen Sonntag in einer solchen Metropole gehoert, war natuerlich auch der Strand voellig ueberlaufen, doch man gewoehnt sich in Indien auch an andere Dinge. Da Badra eine sehr noble und wenn nicht gerade das Festival stattfindet auch eher ruhige Gegend ist, gingen wir in einem sehr schicken Lokal Essen, wozu ich von den beiden sogar eingeladen wurde.



Danach fuhren wir in die Wohnung, wo wir Tee tranken, uns Fotos ansahen und ueber Indien und die Welt plauderten. Das war sehr interessant, da ich nun u.a. weiss, warum in dem in Hindi gezeigten Bollywood Film, den ich mir im Kino ansah, zwischendurch immer wieder englische Ausdruecke wie thank you, please, your welcome usw. vorkamen. Da der Inder von Natur aus alles andere als hoeflich oder im Umgang mit anderen freundlich ist, fehlen solche Worte in der Sprache und wurden aus dem Englischen adaptiert.



Da Jenny gebuertig aus dem Nordosten stammt und Natascha aus dem Sueden, sprechen die beiden auch sonst zu Hause und waehrend der Arbeit bei einer Werbeagentur ohnehin, Englisch. Allerdings ein sehr indisches Englisch. Gegen Abend stiess noch eine weitere Arbeitskollegin zu uns und wir gingen in einen sehr vornehmen Club in Badra, wo wir noch ein Bier zu uns nahmen. Bevor ich gegen 1.30 Uhr nachts eine Rikscha zum Flughafen nahm, fuhren wir noch zu Jenny und Natascha nach Hause und hatten ein vorzuegliches Abendessen, welches die beiden vorbereitet hatten, waehrend ich meinen Rucksack aus dem Hotel im tiefen Sueden Bombays geholt hatte.



Damit endet denn nun mein Aufenthalt in Indien und wie immer an dieser Stelle, versuche ich eine Schlussbetrachtung des Landes zu schreiben. Fuer Indien faellt mir das gewiss nicht leicht. Man sagt, dass man Indien entweder lieben oder hassen muss. Haette man mich diesbezueglich nach der ersten Woche mit Varanasi, Delhi und Agra gefragt, waere meine Antwort sehr klar gewesen. Aber die Schweden hatten schon Recht, als sie mich warnten, dass dies ein gewaltiger Start ist fuer jemanden, der noch nie dort war.



Waehrend ich in allen Laendern den ersten oder auch die ersten beiden Tage brauchte, um das wie und warum des Landes zu begreifen und mich zurecht zu finden, habe ich in Indien dafuer mindestens 10 Tage gebraucht, wenn ich es ueberhaupt geschafft habe. Indien war sicher das erste Land mit einem gewaltigen Kulturschock, den ich erleben musste oder durfte.



Aber ich war 3 Wochen dort. Rajasthan hat mir sehr gut gefallen und auch Diu und besonders Bombay waren nette Stationen.



Vielleicht waren aber auch 3 Wochen nicht genug um Indien lieben zu lernen, doch waehrend ich die ersten Tage definitiv Verstaendnis fuer die Indien Hass Gruppe aufgebaut und es zwischendurch immer mal wieder bestaetigt bekommen habe, verstehe ich nun auch diejenigen, die Indien lieben, wenn ich auch noch nicht dazu gehoere. Doch es ist ein Land, das ich nicht zum letzten Mal besucht habe.



Dass Indien vom Himalaya im Norden bis zu den Traumstraenden von Goa und Kerala noch einige landschaftliche Reize zu bieten hat, die ich noch nicht habe kennen lernen koennen, steht ausser Frage. Dass Indien kein hoch entwickelter Staat, dafuer jedoch extrem guenstiges Reiseland ist, ebenfalls. Doch die Religioesitaet und der Schlag Mensch geben dem Auswaertigen Raetsel auf. Der Inder ist nicht hoeflich, sicher. Und dass es in der deutschen Sprache kein Wort gibt, welches eine adaequate Uebersetzung des Wortes "crowdy" gibt, macht es noch schwerer, das Land zu beschreiben.



Doch uebt Indien eine Fasziation aus, die ich nirgendwo anders habe spueren koennen. Lediglich Bombay machte den Eindruck, Teil der bestehenden auf Kapitalismus und Wohlstand ausgerichteten Welt zu sein. In anderen Staedten hat man eher das Gefuehl, dass Religion und die damit zusammen haengenden Pilgereien jeglichen wirtschaftlichen Fortschritt unterdruecken. Sobald man genug Geld verdient hat, um Bahntickets zu kaufen, pilgert man zu einem der religioes und trotzdem so ungeheuer crowdy wirkenden Festivals.



Wie gesagt, Indien ist nicht einfach zu efassen, da es schlicht anders ist. Ich kann daher eigentlich nur sagen, dass es einfach ein Land ist, das man nicht durch Buecher oder Bilder beschreiben kann. Um etwas ueber Indien zu erfahren, muss man wohl einfach dort gewesen sein.


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