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16.07.2004: (TransSib) "Reisetagebuch - 16.07.2004"    [geschrieben von AlexSapp]

Mongolei. Nach 9 Stunden und 16 Minuten, die zwischen dem Erreichen des russischen Grenzbahnhofs in Nauschki und dem Verlassen des mongolischen Grenzbahnhofs in Suche Bator vergangen sind, rollen wir nun endlich ueber mongolischen Boden gen Sueden, in Richtung der Hauptstadt Ulan Bator. Mein Eindruck, dass irgend etwas gravierend schief gegangen sein muss, wodurch es zu Verzoegerungen gekommen ist, wird durch den Fahrplan, der im Gang aushaengt, wiederlegt. Nur 13 Minuten spaeter als veranschlagt sind wir los gefahren.

So laesst sich der Tag prima durch zwei kurze Worte beschreiben: Hitze und Warten.



Ca. 5 der ueber 9 Stunden durften wir zwar den Zug verlassen, doch haetten fuer das russische Eisenbahnkaff Nauschki 8 Minuten voellig ausgereicht und besonders die 4 Stunden im Zug mit Passkontrollen, Zollkontrollen und dem langsamen dahinrollen ins 15 Km entfernte Suche Bator vergingen nicht gerade wie im Fluge.



Einzig Suche Bator selbst war interessant. Ein sehr modern wirkender Ort mit deutlich mehr Steingebaeuden als beispielsweise Irkutsk und sehr freundlich-neugierige Einwohner, fuer die wir eine Attraktion darstellten, da augenscheinlich kaum andere Touristen den Bahnhof bzw. dessn naechste Umgebung verlassen.



Durch die langen Standzeiten ist es im Zug noch heisser geworden als ich es nach dem gestrigen Tag fuer moeglich gehalten hatte. Da hilft es wenig, dass ich gelesen habe, dass Ulan Bator die kaelteste und am weitesten vom Meer entfernte Hauptstadt der Welt sein soll. Heute war es 400 Kilometer noerdlich und ein wenig tiefer gelegen zumindest nicht kalt. Und die hohe Luftfeuchtigkeit des Nachmittags machte das Ganze nicht angenehmer.



Nachdem ich durch Anatolien gereist bin und auch viel Russland oestlich des Ural gesehen habe, verlasse ich nun erstmals nicht nur geografisch Europa, sondern ich habe auch den europaeischen Kultur- und Geschichtskreis verlassen und befinde mich in Zentralasien.



Russland liegt nun hinter mir und so moechte ich auch von diesem, dem groessten Land der Erde ein Fazit ziehen, was nicht leicht faellt, da ich mit dem High Society Party Urlaubsort Sochi, der voellig untouristischen Grossstadt Rostow am Don, der Hauptstadt Moskau, einem abgelegenen sibirischen Dorf bei Taischet und der malerischen Insel Olchon viele grundverschiedene, bis zu 7000 Kilometer auseinander liegende Orte gesehen habe, die zum Teil ausser kyrillischer Schrift und russischer Sprache nicht viel gemein haben.



Genau so unterschiedlich waren auch die Menschen, denen ich begegnet bin. Ein OWIR Chef, der jeden Kunden dieses Amtes Stunden warten liess um dann zu erklaeren, dass er heute gar nicht mehr arbeitet, eine hilfsbereite Verkaeuferin und eine erfahrene Vermieterin die sich als Dienstleister verstanden, die fuer eine vermittelte, gute Unterkunft auch einen angemessenen Preis verlangten und eine Gastfamilie in Rostow, die mich an ihrem Leben teilhaben liess und mich fast koeniglich bis zur Abreise hin bediente, ohne dafuer eine Gegenleistung zu erwarten.



Insgesamt muss ich sagen, dass Freundlichkeit, Service und Hilfsbereitschaft in Geschaeften und besonders bei allen staatlichen Stellen, was im ehemals kommunistischen Russland, angefangen bei der Post und der Bahn bis zu den vielen verschiedenen Aemtern, sehr viele sind, extrem gering ausgepraegt sind.



Staatliche Huerden wie die Visavergabe- bzw. verlaengerungspraxis und die Registrierungspflicht fuer Auslaender erschweren das Reisen, ohne dass ausser Strafen bei Nichtregistrierung irgend ein Nutzen daraus gezogen werden kann. Dass nicht viele Beamte Englisch sprechen, ist schade jedoch muss man das in Osteuropa akzeptieren. Dass man auf eine Frage jedoch dann immer die leicht verstaendliche Antwort Njet! bekommt, kann schon nerven.



Doch haben auch viele Menschen die Zeichen der Zeit erkannt, lernen Englisch, versuchen einem nicht russisch sprachigen Auslaender aber auch dann weiter zu helfen, wenn man keine gemeinsame Sprache spricht. Nicht mehr zu tun, als man vom Vorgesetzten gesagt bekommt, der selbst nur versucht, ohne viel Sress das naechste Wochenende zu erreichen ist aber leider noch immer sehr verbreitet.



Zu sehen gibt es in Russland jedoch eine Menge. Die sibirische Weite ist ebenso faszinierend wie die herrlichen Straende und Duenen auf Olchon und eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist wohl die beste Moeglichkeit, beides kennen zu lernen. Auch im Winter muss dies ein voellig anderes, aber genau so faszinierendes Erlebnis sein.



Moskau ist eine historisch und architektonisch interessante Stadt, die besonders in naechtlicher Beleuchtung wunderschoen anzusehen ist. Das angeblich noch interessantere StPetersburg habe leider nicht sehen koennen, was man aber ggf. in eine Baltikum-Rundreise integrieren kann.

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