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16.05.2005: (Arusha (Tanzania)) "Reisetagebuch - 16.05.2005"    [geschrieben von AlexSapp]

Heute Abend um 22.30 Uhr war es so weit: Ich bin genau 1 Jahr unterwegs. Ich musste also, da ich ostwaerts gereist bin nicht meinen 365, sondern meinen 366 Tagesbericht schreiben. Leider gibt es da eine Neuerung. Die Busfahrten der letzten Tage hat mein Koerper ohne bleibende Schaeden ueberstanden. Mein Communicator hingegen nicht. Zwar ist er noch voll funktionsfaehig, doch kann man auf dem Display nahezu ueberhaupt nichts mehr erkennen. Mit viel Geduld habe ich es geschafft die letzten fertigen Berichte auf die Karte zu kopieren, so neue Berichte zu schreiben, ist jedoch unmoeglich. Daher werde ich in den letzten 2 Wochen meiner Reise noch mehr Zeit als bisher in Internetcafes verbringen, da ich die Berichte nun dort schreiben muss.

Nach einer weiteren Nacht in einem Bus, wenn meine Planungen richtig sind, allerdings der letzten dieser Reise, kam ich heute morgen um 8 Uhr in Arusha an. Der Bus fuhr anders als urspruenglich geplant aber nicht weiter nach Moshi, da nur 3 der Fahrgaeste mitgefahren waeren. So nahm ich einen anderen Bus, der schon 10 Minuten spaeter abfuhr.



Mein Gepaeck, meine erst am Vortag gewaschene Kleidung sowie ich selbst waren nach der wiederum 26 Stunden dauernden Fahrt mit feinem Staub durchdraengt, der sich mit Schweiss und allem anderen, was hier so in der Luft liegt, zu einem braunen Dreck vermischt hatte. Ich war daher froh, um 10 Uhr in der etwas kleineren der beiden Touristenstaedte in Tanzanias Norden anzukommen und fand nach einer Absage, derzeit gibt es eine Polizeikonferenz in Moshi, aufgrund derer viele preiswerte Hotels ausgebucht sind, ein vernuenftiges und nicht teures Hotel. Meine erste warme Dusche seit ca. 2 Wochen war danach sehr angenehm.



Die Stadt ist eigentlich nur als Ausgangspunkt fuer Trekkingtouren auf den weniger als 50 Kilometer von hier entfernten Mount Kilimanjaro bekannt, doch ist die Stadt nicht uninteressant und auf den vielen Maerkten im und um das Zentrum habe ich noch ein Paar Schuhe gekauft, die ihre 20 EUR hoffentlich auch wert sind. Das zeigt sich aber bei Schuhen leider immer erst spaeter. Der Kilimanjaro selbst war leider den ganzen Tag hinter dichten Wolken versteckt, die auch am Abend den Blick auf den hoechsten Berg Afrikas nicht freigaben.



Waehrend ich den ganzen Tag nicht viel anderes getan habe, als per Pedes die Stadt zu erkunden, ein paar Postkarten zu kaufen und alle 2 Stunden irgendwo ein Soda zu trinken, das ist der hiesige Name fuer Cola, Fanta und Co., war mein Mittagessen ein kleines Highlight. Nicht dass es sonderlich gut geschmeckt haette, doch nachdem ich in den letzten Wochen fast immer Reis hatte, bestellte ich heute Ugali, also Papp. Hier gibt es dazu etwas Sauce und etwas Fleisch und sogar ein wenig Gemuese und nachher eine Banane. Unschlagbar war aber reis. Umgerechnet habe ich lediglich 52 Cent dafuer bezahlt.



Am Nachmittag ging ich noch zum Ostende der Stadt, wo es eine unspektakulaere Kathedrale gibt. Interessanter war eine schneeweisse Moschee, die ich auf dem Weg dorthin passierte. Dass es in der Stadt, zumindest in der Hauptsaison, viele Touristen gibt, zeigt sich vor Allem an den jungen Maennern, von denen man staendig angesprochen wird und die alle einen kleinen lokalen Marktstand mit original afrikanischen Mitbringseln haben. Dem ersten folgte ich noch, doch das Angebot waren nur die ueblichen Holzschnitzereien aus Zimbabwe, erweitert um ein paar T-Shirts mit dem Kilimanjaro als Motiv.





Morgen werde ich weiterreisen. Nur gut 70 Kilometer nordoestlich von hier befindet sich die kenianisch-tanzanische Grenze und nach 17 Tagen in Tanzania werde ich dieses Land verlassen.



Ich habe mit Mbeya, Dar es Salam, Stone Town und Kendwa auf Zanzibar, Dodoma, Mwanza und Moshi viel vom Land gesehen. Hinzu kommen ungezaehlte Stunden in Bussen und Zuegen, waehrend derer ich mal mehr und mal weniger gut die Landschaft Tanzanias geniessen konnte. Ich habe die Southern Highlands gesehen, war an einem der drei grossen Seen, die Tanzania von seinen suedlichen und westlichen Nachbarlaendern abgrenzen, war in der offiziellen und der tatsaechlichen Hauptstadt und letztlich auch noch im Norden, am Fusse des Kilimanjaro.



Tanzania ist ein abwechslungsreiches Land, das mit wunderschoenen Landschaften und den genialen Straenden von Zanzibar punkten kann. Wieder einmal habe ich die Hauptattraktion, naemlich die Nationalparks im Norden, allen voran der Serengeti Nationalpark, nicht zu sehen bekommen, da auch in Tanzania ein solcher Trip auf eigene Faust unmoeglich oder extrem teuer und eine Tour sehr teuer ist. Trotzdem bin ich vom Land begeistert und muss sogar sagen, dass es in Afrika das bislang schoenste Land ist.



Von den Staedten hat mir uebrigens Mwanza am Lake Victoria besser gefallen, als alle anderen, auch besser als Dar es Salam.



Zudem ist Tanzania mit seiner sehr relaxten Swahili Kultur, einer Mischung aus schwarzafrikanischer, arabischer und etwas indischer Mentalitaet, aber dennoch etwas gelassener, ein angenehmes Land. Zwar wird man in den touristischen Zentren zum Teil sehr haeufig von Touts angesprochen, die einem Alles Moegliche verkaufen wollen, doch abseits von Dar, Zanzibar und Arusha ist das anders und man kann die Ruhe eines gemuetlichen Landes in vollen Zuegen geniessen.



Preislich ist Tanzania deutlich guenstiger als die Laender des suedlichen Afrika. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklaeren. Der Liter Benzin kostet hier ziemlich genau einen USD, doch ist das Reisen viel guenstiger als in Zambia oder Namibia und ohnehin als in Suedafrika, wobei man dort fuers Geld auch eine andere Qualitaet bekommt. Auch Unterkuenfte kann man in kleinen Orten fuer 2 bis 3 EUR finden und die Ausleihe eines Fahrrades in Mbeya war nahezu kostenlos.



Das Reisen kann wegen der ungenuegenden Infrastruktur allerdings eine echte Belastungsprobe sein. Das ist in Zambia vielleicht genau so, dort habe ich fuer die kritischen Strecken jedoch ein Zugticket bekommen und bin nicht abseits der Hauptverbindungsstrassen des Landes gereist. Obwohl ich 50 USD Visakosten verrechnen musste und ich mit Zanzibar das teuerste Ziel in Tanzania bereist habe, bin ich mit meinem Tagesbudget von 20 EUR ausgekommen.



Doch Tanzania ist ein armes Land. Zwar sind die Staedte relativ ordentlich und wirken verhaeltnismaessig reich, doch ein Grossteil der Landbevoelkerung kann man aus den vorbeifahrenden Bussen beim Tragen von Wassereimern ueber lange Strecken beobachten, da fliessend Wasser oder Strom in Doerfern ein aeusserst seltener Luxus sind.



Angenehm ist jedoch, dass wie in bislang jedem muslimisch gepragten Land die persoenliche Sicherheit wesentlich grosser ist, als im suedlichen Afrika. Zwar geht es an Busbahnhoefen immer etwas harsch zu, doch in keiner Stadt und an keinem Strand ist es ein Problem, auch nachts allein unterwegs zu sein.



Und die indischen Einfluesse sorgen dafuer, dass es in Tanzania nicht nur schoene Tempel gibt, vor allem die kulinarische Vielfalt wird so vergroessert. Und indisch ist eigentlich immer gut. Zudem bestaetigt sich etwas, dass ich schon des oefteren festgestellt habe. Ausserhalb Indiens sind die Inder, die man auf der Welt trifft, die zuvorkommendsten Menschen, die es gibt. Seltsam ist, dass man die Einfluesse der deutschen und britischen Kolonialgeschichte kaum sieht. Vor Allem im Vergleich zu Namibia ist das extrem. Vielleicht ist es aber genau das, was Tanzania so unverwechselbar und schoen macht!



Fast vergessen haette ich noch 2 kleine Details ueber Tanzania. Nichts Wichtiges, aber kleine Dinge, die einem ueberall auffallen: Big Mamas und chinesischer Kitsch! Die Big Mama sind fuellige in traditionelle Kleidung gehuellte aeltere Frauen, die staendig in der ersten Reihe der dalla dallas sitzen und den armen jungen Maennern oder Frauen neben ihnen kaum Platz zum Atmen lassen. Diese werden vom Personal der Minibusse immer mindestens so zuvorkommend behandelt, wie wir mzungus (Weisse). Massige Maenner findet man hingegen sehr selten. Die Mamas aendern uebrigens gern ihren Namen. Wenn der aelteste Sohn erwachsen ist und man sich fuer ihn nicht schaemen muss, dann heissen sie nur noch Mama Irgendwie (Name des Sohns) und werden auch von allen nur Mama genannt.



Dann gibt es noch eine Geschichte aus der Wirtschaft. So wie ich es verstanden habe, wollte keine europaeische oder andere westliche Regierung den Bau der Eisenbahnlinie nach Zambia finanzieren. Daher wurde die Strecke von den Chinesen gebaut, was man an den chinesischen Schriftzeichen an der Strecke und in den Zuegen gut sehen kann. Im Gegenzug musste sich aber Tanzania verpflichten, ein Freihandelsabkommen mit China zu unterzeichnen. Das Resultat sieht man an jedem Busbahnhof und in allen Strassen. Junge Verkaeufer, die oft nur mit 2 oder 3 Artikeln, manchmal aber auch mit einer riesigen Tafel umher laufen, bieten fast ausschliesslich Kitsch an. Plastikspielzeug, Kaemme, Guertel und natuerlich billige Uhren kann man daher ueberall in Tanzania kaufen. Und die Ware kommt zu einem, so dass man die Auswahl auch dann hat, wenn man gern darauf verzichten wuerde.


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