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Beiträge  - Auslandsberichte
21.02.2007: (Dhaka (Bangladesh)) "Neues aus Bangladesh"    [geschrieben von kirsten]

Hallo ihr Lieben,

Sechs Tage bin ich nun schon in Dhaka, es ist Halbzeit und zugleich Zeit, Euch von meinen ersten Eindruecken und Erlebnissen hier zu berichten.

Dhaka ist eine Stadt, wie ich sie noch nie gesehen habe. Immer und ueberall, zu jeder Tages- und Nachtzeit voller Menschen. Immer Verkehrschaos. Rickshaws, Baby-Taxis, normale Taxis, Busse und ab und an mal ein privater Pkw fahren kreuz und quer durch die Gegend. Ohne Hupe waere man hier aufgeschmissen, Ampeln dienen in erster Linie der (ansonsten sehr spaerlichen) Strassenbeleuchtung, andere Funktionen konnte ich noch nicht erkennen. Ausser Passagier-Rickshaws sieht man Transportrickshaws voller Huehner, Baumstaemme, Ziegelsteine, Kohlkoepfe... Und ueberall entlang der Strassen gibt es kleine Shops, Strassenstaende, Maerkte, Gewerbebetriebe. Dazu kommt der Smog (Februar ist auch noch der schlimmste Monat, doch zum Smog spaeter noch...) und die irre Lautstaerke. Und Dhaka ist gepraegt von grosser staedtischer Armut, wie ich sie waehrend meiner Afrika-Aufenthalte noch nie gesehen habe.

Samstag haben wir angefangen hier einige informelle Siedlungen und Slums zu befahren. Als erstes waren wir an den Ufern des Buringanga, an einem Ort, an dem der Muell dieser 15 Millionen-Stadt recycled wird. Kinder und Frauen hocken in Bergen von Muell und sortieren nach Plastik und anderen Abfaellen. Im Fluss (es handelt sich eher um eine Kloake...) werden diese Plastikstuecke dann gewaschen, anschliessend zerkleinert, nach Farben sortiert und gehaeckselt. In einem Haus, in dem etwa 7 Leute arbeiten werden diese Schnipsel zusammengeschmolzen, um Granulat fuer neue Plastikproduktionen zu gewinnen. Die Arbeitsbedingungen dort waren schockierend: Plastikdaempfe, Hitze vom Schmelzen, harte einseitige manuelle Arbeit. Und so ein Minibetrieb mit den Aermsten der Armen produziert fuer den globalen Markt - Export vor allem nach China! Dasselbe haben wir in den folgenden Tagen noch fuer die Bereiche Holzverarbeitung, Lederindustrie, Ziegelbrennereien und Metallverarbeitung gesehen (in kleinen Huetten wurde Zinn geschmolzen - hoechstgiftige Daempfe! - und zu Eis-am-Stiel-Formern verarbeitet). Nur in die Textilfabriken kommt man nicht hinein, die sind strengstens bewacht - wahrscheinlich weil die europaeischen Konzerne die dort produzieren lassen Angst vor Journalisten haben... Bei aller Armut und aller harter Arbeit, die Leute in diesen Produktionsstaetten haben sich ueber unseren Besuch gefreut, fordern einen auf Fotos zu machen, um ihre harte Arbeit zu wuerdigen.

Und damit weiter zum Besuch der Siedlungen und der unglaublichen Freundlichkeit und angenehmen Hoeflichkeit, mit der man in diesem Land empfangen wird (mich hat hier noch niemand gefragt, ob ich verheiratet bin, man hilft, ohne aufdringlich zu sein, sehr, sehr toll!). Wir haben, teils in recht grossen Gruppen zusammen mit den anderen Projekten verschiedene Slumgebiete befahren. Das erste was auffaellt: man kann sich frei bewegen! Es gab nicht eine einzige Situation, in der ich mich unsicher gefuehlt haette. Man wird ueberall sehr freunlich empfangen, die Kommunikation geht derzeit jedoch nicht ueber das "asalam walekum" und "ami bangla janina" (I don't know Bangla) hinaus. Leider, ich werde bis zum naechsten Mal daran arbeiten. Interessant ist, dass auch die Frauen sehr offen sind. Und dann die Kinder - staendig waren wir umringt von ihnen. Wahnsinn. Kaum haben wir ein Gebiet betreten sind sie schon um uns getanzt. Ich wurde - als (halbwegs) blonde Weisse (und einzige solche in der gesamten Gruppe) - von unserer Gruppe (und den Kiddys) schon zum Dhaka-Superstar ernannt ;). Sehr gefragt sind Autogramme von mir, aber das tollste ist es, wenn ich fotografiere. Was andersrum bedeutet, dass objektive "Planerbilder" nicht moeglich sind, denn die Kinder sind immer schneller als der Power-Knopf meiner Kamera. Also habe ich immer eine Horde von 30 Kindern um mich, an der Hand, vor der Linse, waehrend die anderen mehr oder weniger unbehelligt durch die Siedlung laufen. Das macht Spass, ist aber auf Dauer auch ziemlich anstrengend...

Nun, ich koennte stundenlang weitere Eindruecke schildern. Mir faellt es schwer, dies alles zu verarbeiten. Nach den Touren durch potentielle Fallbeispielgebiete war am Montag unser Kickoff-Workshop, der sehr gut gelaufen ist, Dienstag waren wir in einer Klinik, heute auf einer Bootstour. Aber fuer heute soll's genug sein, ich muss ja auch noch Geschichten zu den Bildern erzaehlen koennen, wenn ich wieder zu Hause bin...

Also, insgesamt geht's mir hier recht gut. Nur gestern haben fast alle die Auswirkungen des Smogs zu spueren bekommen. Keiner konnte mehr richtig atmen, alle hatten Hals-Lungen-Schmerzen. Bei mir ist dazu leider in der Nacht noch Fieber gekommen, so dass erst nicht klar war, ob ich mit auf die heutige Bootstour kann. Fuehlte mich aber nicht so schlecht und haette mich auch sehr geaergert, denn ich hatte die Tour organisiert und ausserdem das sehr dringende Beduerfniss nach frischer Luft! Inzwischen habe ich kein Fieber mehr, die Bootstour (vom Land in die Stadt und zurueck auf dem Buringanga) war super, es gab nochmal zahlreiche Gelegenheit sich untereinander in den Projekten sowie mit den Counterparts auszutauschen sowie einfach irre viel zu sehen!

Also, viele liebe Gruesse aus Bangladesh!
*Kirsten*

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