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20.04.2005: (Caprivi (Namibia)) "Reisetagebuch - 20.04.2005"    [geschrieben von AlexSapp]

Der letzte Tag in Namibia war ein typischer Ueberlandtag. Nach 2 sehr entspannten Tagen verliess ich also das Ngepi Camp und tauschte den Campingstuhl auf dem Sonnendeck des Camps gegen den Beifahrersitz eines Trucks und die Gesellschaft der 4 bzw. 3 sehr sympathischen Reisenden mit jener eines namibianischen Truckers. Waehrend Judith, Marc und Trini erst morgen frueh mit dem Intercape Mainliner direkt nach Livingstone fahren, zahlte ich heute morgen meine Rechnung und packte meine Sachen, um mich auf den Weg zum 320 Kilometer entfernten Grenzort Katima Mulilo zu machen. Um 9 Uhr war ich wie verabredet fertig, musste dann jedoch noch ueber eine Stunde warten, bis die Betreiberin des Camps fertig war, um zur Erneuerung ihres Eingangsstempels kurz nach Botswana zu fahren.

So starteten die Anderen noch bevor ich losfuhr zu ihrem VilligeWalk, der sie in eines der vielen Doerfer entlang der Strassen hier in Caprivi fuehrt. Ich wurde dann kurz vor 11 Uhr an der Shell Tankstelle abgesetzt und konnte beginnen, mir eine Mitfahrgelgenheit zu suchen, da hier in Namibia eben meist keine Minibusse bereitstehen, bei denen man nur darauf warten muss, dass sie sich fuellen.



Nachdem viele Autos an der Tankstelle hielten und entweder nur in der Umgebung von Divundu fahren oder gerdade aus Katima kamen oder bereits voll waren oder wie ein Touristenpaar einfach niemanden mitnehmen wollten, oder ich nach einem kritischen Blick meine Sicherheit als nicht gewaehrleistet ansehen konnte, fuhr gegen 13 Uhr ein Leihwagen auf die Tankstelle, gefolgt von 2 relativ neuen grossen Trucks. Da ich gern authentisch reise, ging ich an den Touristen vorbei zu einem der Trucks, der allerdings bereits voll war.



Im Zweiten war bis dahin der Fahrer allein unterwegs. Der von ihm verlangte Preis bewegte sich im ueblichen Rahmen, die dafuer gebotene Leistung allerdings war erstkllassig. Der Truck hat nur 2 Sitze, weshalb in der Fahrerzelle viel Platz fuer mein gesamtes Gepaeck war und auch der Beifahrersitz ist sehr bequem gefedert. Zudem hat das Fahrzeug eine Klimaanlage und ein recht gutes Radio. Und der Fahrer war fuer einen Trucker nicht nur ueberraschend hygienisch und gut gekleidet, auch war er sehr freundlich. Wir unterhielten uns ein wenig darueber, was mich und was ihn hierhin verschlagen habe. Bei ihm ist das eine groessere Menge Kupfer, die von irgendwo in Zentralzambia nach Johannesburg gebracht werden muss.



Er bot mir daher auch an, mich noch weiter ueber die Grenze mitzunehmen, doch habe ich mein Visum fuer morgen angegeben und zudem wollte ich auch Katima Mulilo noch gern sehen, da ich gelesen hatte, dass es anders als viele Staedte in Namibia eine wirklich afrikanische Stadt sein soll.



Afrikanisch ist es auch. Nur von einer Stadt konnte ich bislang nichts erkennen. Da die Gebaeude hier aber aus Stein sind, es ein paar staubige Strassen und sogar Schulen und mindestens 2 Tankstellen gibt, spricht man in Namibia bereits von einer Stadt, zumal ein Dorf eher das ist, was man auf dem Weg hierher immer wieder sehen konnte. Kleine Bambushuetten und nicht mehr als 15 davon innerhalb eines Bambuszaunes.



Nachdem ich mich im Ort zum Caprivi Traveller Guest House durchgefragt hatte, machte ich noch einen Rundgang, da ich das Zentrum finden wollte. Wenn der grosse staubige Fussballplatz der vom Lonely Planet erwaehnte zentrale Platz ist, habe ich das Zentrum gefunden. Nicht gefunden habe ich auch nur einen weiteren Weissen in der gesamten Stadt. Und entsprechend freundlich und neugierig wurde ich Fremdling aufgenommen.



Selten bin ich an einem Ort von so vielen Fremden gegruesst worden. Und auch im Guest House wurde ich mehr als freundlich empfangen. Nachdem ich eingecheckt hatte, kam noch der Besitzer ins mit 55 ND bislang preiswerteste Dorm seit ich in Johannesburg gelandet bin, bedankte sich fuer meine Unterstuetzung und bat mich um einen Eintrag in das Gaestebuch.



Obwohl ich nicht wirklich traurig bin, morgen frueh direkt weiter zu fahren, war es fuer mich dennoch interessant, Katima Mulilo gesehen zu haben und den Kindern im Ort immer wieder den Ball zurueckzuwerfen, mit dem sie mich in ihr Spiel zu integrieren versuchten.





Doch morgen frueh geht es weiter und wahrscheinlich werde ich schon vor 10 Uhr morgens die Grenze ueberquert haben und somit meinen Aufenthalt in Namibia beenden.



Das Land ist gross und das Auffaelligste an Namibia, sind die fehlenden Einwohner. Die Einwohnerzahl Muenchens auf einer Flaeche so gross wie Frankriech und Deutschland zusammen ergibt eine extrem niedrige Bevoelkerungsdichte. Und so verwundert es wenig, dass man beispielsweise auf den 350 Kilometern von Keetmanshoop nach Luederitz ganze 2 Siedlungen passiert, bei denen man aufpassen muss, auf der richtigen Seite aus dem Fenster zu gucken, um die handvoll Gebauede nicht zu verpassen.



Und die Staedte Namibias sind auch nicht gross. Dafuer sind sie deutsch. Nicht nur die Architektur und viele Strassennamen machen dies aus, auch Cafes, Baeckereien und die Atmosphaere fuehlen sich teils fuer mich sehr heimisch an. Luederitz, Swakopmund und Windhoek sind da sicher die Vorreiter, doch auch Staedte wie Keetmanshoop oder Tsumeb weisen einige deutsche Zuege auf. Zwar findet man nicht ueberall Cafes, in denen die Bedienung die das Kaennchen Kaffee und die Schwarzwaelder Kirschtorte mit einem akzentfreien "Bitte schoen" servieren, eine kleine aber einflussreiche deutsche Minderheit gibt es jedoch fast ueberall.



Gewoehnungsbeduerftig ist, dass man nach 17 Uhr nichts mehr machen kann. Geschaefte sind geschlossen, die Strassenstaende zusammengepackt und wenn man sich nicht gut auskennt, ist es sehr schwer die 2 oder 3 Bars oder Diskos zu finden, in denen noch etwas los ist.



Anders sieht das im Norden aus. Zwar habe ich nur den Nordwesten gesehen, doch die typisch afrikanischen Doerfer, kaum weisse Gesichter ausserhalb der Touristenunterkuenfte und die Einfachheit der Staedte lassen den Norden deutlich afrikanischer Erscheinen.



Die Landschaft ist ebenfalls verschieden. Obwohl in ganz Namibia sehr wenig Regen faellt, sieht man durchaus grosse Unterschiede zwischen der Namib Wueste entlang des 150 Kilometer breiten Kuestenstreifens, der dahinter folgenden Steppe und dem zumindest zu dieser Jahreszeit schon fast ueppig gruenen Vegetation in Caprivi Strip. Einzig die duenne Besiedlung und in dessen Folge die groesstenteils erhaltene Unberuehrtheit der Natur ist ueberall zu finden.



Obwohl Namibia nicht untouristisch ist, macht die Weite des Landes das Reisen zum Abenteuer. Wenn man nicht gerade mit einem der vielen Overlandtrucks an einer organisierten Hetzjagd durch das gesamte suedliche Afrika teilnimmt oder sich den Preisen und teils unguenstigen Abfahrtzeiten der alle 2 Tage durchs Land kreuzenden Busse von Intercape hingibt, stoesst man sehr schnell an die Grenzen des organisierten Transports.



Ich habe fuer mich die Bahn entdeckt, doch der Namibier an sich, so er denn reisen muss und ueber kein eigenes Transportmittel verfuegt, muss sich in Geduld ueben und keine hohen Ansprueche an Komfort stellen. Denn man kann zwar mal Glueck haben, einen Truck zu finden, doch die gut gefuellte Ladeflaeche eines PickUps muss meist genuegen.



Wie in Suedafrika ist es leider nur schwer moeglich, ohne eine auch hier sehr teure Tour oder eigenes Auto Nationalparks zu besuchen um Wildlife oder die grossartigen Duenen von Sossuvlei zu sehen. Doch die Natur ist in den kleinen Orten so nah, dass man meist im Rahmen eines Spazierganges schon den urbanen Bereich verlassen und in die herrlichen Weiten des Landes eintauchen kann.



Anders als in Europa haben die Menschen in Namibia viel Zeit fuereinander. Sogar in Windhoek scheint jeder jeden zu kennen und etwas Smalltalk zwischen den Menschen fuehrt denn auch oft dazu, dass Zeit relativ wird. Eine Stunde kann dann mal 150 Minuten haben und "gleich" bedeutet nicht zwingend, dass etwas innerhalb der naechsten 15 Minuten passiert. Das ist es jedoch, was den Aufenthalt hier in Namibia so erholsam macht. Denn wenn man sich mal darauf einlaesst etwas zu planen, plant man automatisch ein paar Verspaetungen ein und Hetze ist an Bord von Overlandtrucks zu finden.



Das Verhaeltnis zwischen Schwarz und Weiss ist natuerlich noch immer problematisch. Bis vor 15 Jahren war Namibia noch von Suedafrika kontrolliert und die Apartheit drang auch nach Namibia. Doch merkt man durchaus Unterschiede. Apartheit-Befuerworter gibt es in Namibia kaum und Afrikaans wird hier auch von vielen Schwarzen gesprochen, waehrend die Sprache in Suedafrika noch immer als Relikt der Apartheitaera angesehen wird. Auch die Townships, die es in Namibia natuerlich auch gibt, sehen weniger aermlich aus, als in den Grosstaedten Suedafrikas. Schwarze in irgend einer Art Fuehrungsposition sind aber auch in Namibia nahezu unmoeglich zu finden. Wenn man mal vom Praesidenten absieht.

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